Kleine Schule

Bild: 7 Sellos Editorial

Alicia Partnoy wurde vom 12. Januar 1977 bis zum 25. April in La Escuelita, einem geheimen Haftzentrum in Bahía Blanca in Argentinien gefangen gehalten und von dort an einen anderen Ort gebracht, wo sie als Vermisste galt. Erst im Juni 1977 wurde ihre Familie über ihren Aufenthaltsort informiert. Dennoch blieb sie zweieinhalb Jahre als politische Gefangene weiter in Haft. Und erst kurz vor Weihnachten 1979 wurde sie unter der Auflage, das Land zu verlassen, von der Haftanstalt aus direkt zum Flughafen gebracht, wo sie auch ihre kleine Tochter traf, mit der sie dann in die USA flog. Dort befand sich seit geraumer Zeit auch ihr Ehemann, der zum selben Zeitpunkt wie sie entführt und gefangen gehalten worden war. In ihrem Buch La Escuelita beschreibt sie in Form kleiner zeugnishafter Erzählungen ihre Zeit während der Haft.

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Argentinische Mission in Chile 1970–1973

Bild: Editorial Sudamericana

Zwischen 1970 und 1973 gewann die „Unidad Popular“ die Wahlen in Chile. Der Sozialist Salvador Allende übernahm das Amt des Präsidenten der Republik und versuchte, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Landes inmitten großer Widersprüche und sowohl innerstaatlichem als auch internationalem Druck zu verändern. Seine Regierungszeit wurde im September 1973 durch einen Militärputsch beendet.

Während dieser Zeit war Javier Teodoro Gallac, ein Diplomat von Beruf, der argentinische Botschafter in Chile. Er hielt in öffentlichen, vertraulichen und geheimen Dokumenten sowie in seinem persönlichen Tagebuch den Alltag dieser so schwierigen und ungewissen Zeit im institutionellen Leben von Chile fest. Seine Aufzeichnungen sind detailliert, nüchtern und sachlich und beleuchten aus einer anderen Perspektive – aus dem diplomatischen Hinterzimmer – die Tragödie eines Landes sowie die persönlichen und institutionellen Umstände seiner Protagonisten. Misión argentina en Chile (1970-1973). Los registros secretos de una difícil gestión diplomática des Diplomaten und engen Freundes von Gallac, Juan Bautista Yofre, liefert neue und bisher unbekannte Erkenntnisse zur – scheinbar endlosen – Aufklärung einer so umstrittenen Phase der jüngeren chilenischen Geschichte.

Ariel Dorfman: Allende y el museo del suicidio

Bild: Galaxia Gutenberg

Ariel brauchte Geld, und Joseph Hortha hatte davon mehr als genug. Verbunden durch ihre Dankbarkeit gegenüber dem verstorbenen chilenischen Präsidenten Salvador Allende und das anhaltende Bedürfnis, herauszufinden, ob Mord oder Selbstmord sein Leben zu Beginn des Putsches von 1973 beendet hatten, begeben sich die beiden Männer auf eine Spurensuche, die sie von Washington, D.C. und New York nach Santiago de Chile und Valparaíso und schließlich nach London führen wird.

Doch während sie den politischen Kampf Salvador Allendes, seinen Tod, die darauf folgende Diaspora und die Versuche, ins Land zurückzukehren, Revue passieren lassen und analysieren, müssen Ariel und Joseph einander dabei helfen, die Schuld und das Trauma aufgrund persönlicher Katastrophen zu ergründen, die in eben dieser Vergangenheit verborgen liegen. Um sich damit in diesem Roman, der die Grenzen des Roman-Genres auslotet und sie auf unerwartete und außergewöhnliche Weise erweitert, zu fragen, was wir der Welt, den anderen und uns selbst schulden.

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Paz Rojas Baeza: Die endlose Abwesenheit

Bild: BUXUS Edition

Schon im November 2024 hatte ich auf das Buch von Paz Rojas Baeza mit dem Titel Die endlose Abwesenheit aufmerksam gemacht. Jetzt ist das Buch mit dem Untertitel „Medizinische, psychologische und politische Untersuchung des gewaltsamen Verschwindenlassens von Personen“ in der wissenschaftlichen Reihe zum Thema Menschenrechte bei BUXUS Edition erschienen und kann ab sofort bestellt werden.

Dies ist ein außergewöhnliches Buch, das anhand einer Vielzahl von Zeitzeugenberichten und den Texten aus drei ausführlichen Interviews einer Mutter, einer Tochter und einer Schwester von Verschwundenen grundlegende Fragen für das Verständnis der jüngsten Vergangenheit und für die Zukunft des Zusammenlebens als Nation aufwirft. Das Verschwinden von Menschen, von dem in Chile Tausende betroffen waren und weiterhin betroffen sind, hat nicht nur dauerhafte, sondern auch bleibende Auswirkungen. Es handelt sich um ein psychisches Trauma ohne Ende, untröstlich und endlos. Das Buch ist eine echte Krönung der großzügigen und beeindruckenden professionellen, menschlichen, sozialen und politischen Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte, die Dr. Paz Rojas Baeza seit mehr als dreißig Jahren leistet.
(José Miguel Varas)

David F. Noble: Eiskalte Träume

Bild: Herder / Spektrum

Im Jahr 1997 erschien das Buch The Religion of Technology: The Divinity of Man and the Spirit of Invention von David F. Noble, das 1998 in der Übersetzung von Bernardin Schellenberger unter dem Titel Eiskalte Träume: Die Erlösungsphantasien der Technologen bei Herder Spektrum veröffentlicht wurde. Dieses Buch bestätigt die Thesen von Renato Espoz Le-Fort in dessen Werk Die Macht der Religion in der westlichen Philosophie. Noble legt klar und überzeugend dar, dass Technologie und Religion in ständiger Verbindung stehen, deckt die religiösen Wurzeln der Technologie auf – insbesondere vom 17. Jahrhundert bis heute – und belegt die enge Verbindung zwischen dem angelsächsischen Christentum und der Technologie. Aus dieser Perspektive heraus zeigt er auf, dass Francis Bacon die Autorität und der Initiator des angelsächsischen wissenschaftlich-technologischen Projektes ist. Er vertritt die Auffassung, dass Wissen Macht ist, das heißt, wir müssen die Macht zurückgewinnen, die Adam im Paradies hatte. Folglich besteht die Aufgabe der „Moderne“ darin, die Wissenschaft des Pioniergeistes wiederzugewinnen, da die gesamte Tradition ein unendlicher Irrtum war. Schreiten wir dem Paradies entgegen, einem neuen Paradies, das glorreicher ist als das ursprüngliche. Heute gibt es technologische Errungenschaften, die es ihren Urhebern ermöglichen, ihren Glauben bestätigt zu sehen. So zum Beispiel bei den Atomwaffen, bei der Weltraumforschung, bei der künstlichen Intelligenz, im künstlichen Leben, beim Humangenomprojekt, bei der Gentechnik und beim Klonen. An dieser Stelle ist es wichtig, zum Verständnis der Transformation von der Wissenschaft hin zur Technologie klarzustellen, dass Espoz Le-Fort, entgegen der Meinung von Noble, das angelsächsische Projekt nicht als Fortsetzung des „Mittelalters“ betrachtet, da es zwei divergierende christlich-naturphilosophische Projekte gibt, wie er in seinem genannten Werk darlegt.

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Die Macht der Religion in der westlichen Philosophie

In seinem Buch De cómo el hombre limitó la razón y perdió su libertad aus dem Jahr 2003 versucht Renato Espoz Le-Fort, durch Kritik und einen konstruktiven Dialog, die Möglichkeit einer neuen Synthese der Entwicklung der westlichen Philosophie, der Wissenschaft, der Technologie, der Moral und der Wirtschaft zu eröffnen. Mit einem innovativen Blick deckt er die religiösen Wurzeln der gesamten westlichen Philosophie auf.

Ausgehend von den Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin geht er zurück zu den Propheten des Alten Testaments, zu den vorsokratischen griechischen Philosophen und zu der großen kulturellen Synthese der jüdischen, griechischen und römischen Traditionen, die das Christentum vollbrachte, und deren Ziel die Erkenntnis der Wahrheit und des Guten sowie der Aufbau einer brüderlichen und gerechten menschlichen Gemeinschaft war.

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Und dennoch blieb die Erinnerung…

50 Jahre nach dem Militärputsch in Argentinien vom 24. März 1976 ist der Nationale Gedenktag für Wahrheit und Gerechtigkeit nicht nur ein Datum im Kalender, sondern eine notwendige Unterbrechung der Gegenwart. Ein Aufruf, sich daran zu erinnern, dass das Geschehene nicht nur der Vergangenheit angehört, sondern in den Fragen, die auch heute noch gestellt werden, weiterlebt. Der Staatsterrorismus in Argentinien hat nicht nur die Demokratie zerstört: Er versuchte, Leben, Namen und Geschichten auszulöschen: Durch Entführungen, geheime Haftanstalten, Folter, Verschleppungen, Wegnahme von Kindern, Exil. Aber es gab noch etwas Tieferes: einen systematischen Versuch, Verbindungen zu zerreißen, das Gedächtnis zu zerstören, Schweigen aufzuzwingen. Die Erinnerung daran lebt weiter in denen, die suchten, in denen, die anzeigten, in denen, die schrieben, in denen, die Briefe, Fotos und Lebensfetzen als Beweis dafür aufbewahrten, dass diese verschwundenen Menschen existiert haben. Sie lebte weiter in der Entscheidung – individuell und kollektiv –, das Vergessen nicht als Schicksal hinzunehmen.

Erinnern ist also weder eine rituelle Geste noch eine automatische Wiederholung. Es ist eine ethische und politische Verantwortung. Es bedeutet, uns zu fragen, was wir heute mit dieser Geschichte tun, wie wir sie weitergeben, wie wir sie gegen neue Formen des Leugnens, der Gleichgültigkeit oder der Relativierung verteidigen.

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Héctor Abad Gómez (1921–1987)

Héctor Abad Gómez war Arzt, Experte in öffentlicher Gesundheit, Universitätsprofessor, sozialer Führer und Menschenrechtsaktivist. Er wurde 1921 in Medellín geboren und widmete sein Leben der akademischen Ausbildung, der Förderung der öffentlichen Gesundheit und dem Aufbau einer gerechteren und gleichberechtigteren Gesellschaft. Sein Medizinstudium schloss er an der Universität von Antioquia, Kolumbien, ab, wo er später als Professor und Dekan der Medizinischen Fakultät tätig war. Schon früh erkannte er, dass Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit verstanden werden sollte, sondern als Ergebnis der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen der Gemeinschaften. Daher war er ein Pionier auf dem Gebiet der Präventivmedizin und der öffentlichen Gesundheit in Kolumbien.

Abad Gómez förderte Kampagnen zu Hygiene, Ernährung und Impfungen und gründete Basisorganisationen, um die Lebensbedingungen in Medellín und anderen Regionen des Landes zu verbessern. Sein Engagement führte auch dazu, dass er sich entschieden gegen Gewalt, Korruption und soziale Ungerechtigkeit aussprach, was ihn zu einer moralischen und intellektuellen Leitfigur seiner Zeit machte. 1978 gründete er das Ständige Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte, von dem aus er Verletzungen des Lebens und der Würde von Menschen anprangerte. Seine Arbeit machte ihn zum Ziel politischer Drohungen und Verfolgungen. Am 25. August 1987 wurde er in Medellín ermordet, ein Akt, der symbolisch für den Preis steht, den man für die Verteidigung des Lebens und der Gerechtigkeit in Kolumbien zahlen muss.

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Inxilio von Juan de Quintil

Bild: Lit Verlag

Hernán Carvajal sucht angesichts des Schreckens des Putsches 1973 in Chile, der dann folgenden Diktatur, der Folter, der Hinrichtung, des Verschwindenlassens nicht nur als Mensch und Gefangener, sondern auch als Dichter nach einer Möglichkeit, durch sein Werk Inxilio der Realität im Prozess der Fragmentierung und Auflösung ihrer Strukturen, die er selbst erleidet und deren Zeuge er zudem ist, durch die Sprache eine Form zu geben, deren Ausdruck sich notwendigerweise verändern muss, um diesem Prozess Rechnung zu tragen. Im Gegensatz zu denen, die wie Theodor W. Adorno die Unmöglichkeit der Poesie nach Auschwitz erklärten, arbeitete er daran, die Grenzen der Sprache in die entgegengesetzte Richtung zu erweitern.

Das Werk Inxilio von Juan de Quintil ist jetzt auf Deutsch beim LIT Verlag erschienen und beinhaltet neben einem ausführlichen Vorwort von Lucy Oporto Valencia ein Nachwort des Übersetzers.

Patricia Salinas: Haus mit Pool

Bild: Planeta de Libros

Pilar, eine Frau, die gerade Mutter geworden ist, entdeckt, dass sie adoptiert wurde. Was stabil und solide schien – eine Familie, ein Job, das Leben selbst – beginnt zu zerfallen. Der Kauf eines Hauses mit Swimmingpool verschafft Patri zwar eine gewisse Ruhe, doch bald erfährt sie, dass neben ihrem neuen Zuhause eines der dunkelsten geheimen Gefangenenlager der letzten Militärdiktatur in Argentinien betrieben wurde: der Pozo de Quilmes. Ist sie die Tochter von Verschwundenen? Ist sie die Tochter eines Militärs? Eines Unterdrückers?

Dieses Ereignis löst eine Reihe von Fragen über ihre Identität und die Möglichkeit aus, Tochter von verschwundenen Häftlingen zu sein. Dies führt sie zu Menschen und Geschichten aller Art: eine linksgerichtete Mitstreiterin aus der Sekundarschule, launische und leugnende Nachbarinnen, eine englische Familie im ständigen Niedergang, in einem Viertel, das von Rätseln umgeben ist. Außerdem wird Patri, die Protagonistin, inmitten des Wirbelsturms in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen, die ihr verspricht, ihr das zu geben, was sie verloren und immer gesucht hat: ihre Identität.

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