
Im Jahr 1997 erschien das Buch The Religion of Technology: The Divinity of Man and the Spirit of Invention von David F. Noble, das 1998 in der Übersetzung von Bernardin Schellenberger unter dem Titel Eiskalte Träume: Die Erlösungsphantasien der Technologen bei Herder Spektrum veröffentlicht wurde. Dieses Buch bestätigt die Thesen von Renato Espoz Le-Fort in dessen Werk Die Macht der Religion in der westlichen Philosophie. Noble legt klar und überzeugend dar, dass Technologie und Religion in ständiger Verbindung stehen, deckt die religiösen Wurzeln der Technologie auf – insbesondere vom 17. Jahrhundert bis heute – und belegt die enge Verbindung zwischen dem angelsächsischen Christentum und der Technologie. Aus dieser Perspektive heraus zeigt er auf, dass Francis Bacon die Autorität und der Initiator des angelsächsischen wissenschaftlich-technologischen Projektes ist. Er vertritt die Auffassung, dass Wissen Macht ist, das heißt, wir müssen die Macht zurückgewinnen, die Adam im Paradies hatte. Folglich besteht die Aufgabe der „Moderne“ darin, die Wissenschaft des Pioniergeistes wiederzugewinnen, da die gesamte Tradition ein unendlicher Irrtum war. Schreiten wir dem Paradies entgegen, einem neuen Paradies, das glorreicher ist als das ursprüngliche. Heute gibt es technologische Errungenschaften, die es ihren Urhebern ermöglichen, ihren Glauben bestätigt zu sehen. So zum Beispiel bei den Atomwaffen, bei der Weltraumforschung, bei der künstlichen Intelligenz, im künstlichen Leben, beim Humangenomprojekt, bei der Gentechnik und beim Klonen. An dieser Stelle ist es wichtig, zum Verständnis der Transformation von der Wissenschaft hin zur Technologie klarzustellen, dass Espoz Le-Fort, entgegen der Meinung von Noble, das angelsächsische Projekt nicht als Fortsetzung des „Mittelalters“ betrachtet, da es zwei divergierende christlich-naturphilosophische Projekte gibt, wie er in seinem genannten Werk darlegt.





